30.05.2017

Caren Lay reagiert auf Wohnraumproblematik

Die wohnungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von DIE LINKE plädiert für Neustart im sozialen, gemeinnützigen Wohnungsbau


Caren Lay:

"Die Geflüchteten erleben noch stärker, was viele Einheimische bereits kennen: Die Situation auf dem Wohnungsmarkt, besonders in den Großstädten, ist katastrophal. Selbst Durchschnittsverdiener finden in den meisten Großstädten keine bezahlbaren Wohnungen mehr – Geflüchteten bleibt erst recht nur der Stadtrand.

Wer einen nichtdeutschen Namen hat, stößt bei der Wohnungssuche auf noch größere Hürden. Bei Geflüchteten wiegt das noch einmal deutlich schwerer. In der derzeit aufgeheizten Stimmung in unserer Gesellschaft sind sie besonders vielen Vorurteilen und Schikanen ausgesetzt. Viele bekommen keine Wohnung oder werden auf dem Schwarzmarkt von angeblichen „Maklern“ um mehrere 1000 Euro „Provision“ abgezockt. Anderenfalls bleiben ihnen Massenunterkünfte oder zunehmend auch der Weg in die Wohnungslosigkeit.

Oft hört man, dass Geflüchtete Schuld an der Situation auf dem Wohnungsmarkt haben. Doch das ist falsch. Über Jahrzehnte fiel immer mehr bezahlbarer Wohnraum weg, was sich jetzt rächt. Von 3 Millionen Sozialwohnungen Anfang der 90er Jahre sind nur noch 1,3 Millionen übrig und weiter fallen jedes Jahr mindestens 45.000 aus der Bindung. Gleichzeitig findet mehr Spekulation mit „Betongold“ statt und treibt die Mieten nach oben. Daran tragen die, die jetzt vor Krieg und Terror fliehen, nun wirklich keinen Anteil.

Was ist zu tun? Selbstverständlich sind wir für dezentrale Unterbringung statt Sammelunterkünften und somit durchmischte Wohngebiete. Es kann nicht sein, dass weiterhin Geflüchtete in Sammelunterkünften leben, während nebenan Wohnungen leer stehen.

Wir brauchen dringend den Neustart im sozialen, gemeinnützigen Wohnungsbau. Mindestens 250.000 Sozialwohnungen müssen jährlich entstehen. Die brauchen wir für alle, die auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind, ganz egal welcher Herkunft.

Alle sind gefragt! Kommunale Wohnungsgesellschaften genauso wie Private. Bei Genossenschaften sollen die Jobcenter einen Eigenanteil übernehmen. Und für private Vermieterinnen und Vermieter muss verstärkt das Generalmietermodell eingeführt werden: Kommunen oder freie Träger mieten Wohnungen an und vermieten diese weiter an Menschen, die sonst auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance hätten, wie Geflüchtete oder Wohnungslose."

Weitere Informationen zur Thematik und alle bisher eingegangenen Reaktionen gibt es hier:
http://ib-schaut-hin.de/fragen-an-die-politik/gefluechtete-brauchen-wohnraum-was-tun-sie-dafuer/


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