Zu viele junge Flüchtlinge finden keine passenden Bildungswege - was tun Sie dafür, dass junge Flüchtlinge die Bildung bekommen, die sie benötigen?

 

Der passende Bildungsweg ist individuell! 

Eine solide Grundbildung ist essentielle Voraussetzung für den Zugang zu Ausbildung und Arbeitsmarkt. Junge erwachsene Flüchtlinge kommen mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Bildungserfahrungen nach Deutschland. Ihr Bedarf nach allgemeiner und berufsbezogener Bildung ist sehr individuell – dass sie passende Angebote finden, ist leider oft Glückssache.  

 

Warum bekommen junge Erwachsene oft nicht die Bildung, die sie brauchen?

Viele Flüchtlinge haben entweder keinen Schulabschluss, da sie oft jahrelang auf der Flucht waren und in dieser Zeit keine Möglichkeiten hatten, eine Schule zu besuchen – oder sie haben zwar einen Abschluss, können diesen aber nicht nachweisen, da sie die nötigen Papiere nicht mit auf ihre Flucht genommen haben. Besonders prekär ist die Situation für junge erwachsene Flüchtlinge zwischen 18 und 25 Jahren: Abhängig vom Bundesland endet mit 18 Jahren die Vollzeitschulpflicht. Nur in manchen Bundesländern besteht darüber hinaus die Möglichkeit, im Rahmen einer erweiterten Schul- oder Berufsschulpflicht die Schule bis zum Alter von 21 Jahren zu besuchen. Nur in sehr seltenen Fällen ist dies bis 25 möglich.

Doch nicht für alle ist der Schulbesuch die richtige Lösung. Junge Geflüchtete sehnen sich nach Normalität und Zugehörigkeit. In Vollzeit in einer regulären Schulklasse zusammen mit sehr viel jüngeren Mitschüler/-innen auf einen Schulabschluss hinzuarbeiten, ist nicht für Alle der richtige Weg. Auch sind kostenpflichtige Angebote, wie das Nachholen eines Schulabschlusses an der Volkshochschule, für Flüchtlinge aus finanziellen Gründen in der Regel keine Alternative.

Welche allgemeinbildenden oder berufsbezogenen Bildungsangebote für junge Erwachsene geeignet sind, hängt vor allem auch mit ihrer Vorbildung und ihrer beruflichen Erfahrung im Herkunftsland zusammen. In verschiedenen Test- und Anerkennungsverfahren kann die Eignung für Berufe festgestellt werden. Entsprechende Werkzeuge, die Qualifikationen in der Muttersprache oder sprachunabhängig bewerten, sind für viele Beratungsdienste aber zu teuer und es fehlt die Zeit, sie einzusetzen.

 

Die Fakten auf einen Blick  

  • In der Regel dürfen Geflüchtete über 18 bzw. 21 Jahren allgemeinbildende Schulen nicht mehr besuchen.
  • Junge Flüchtlinge wünschen sich Normalität und Zugehörigkeit. Den Besuch von regulären Schulklassen zusammen mit erheblich jüngeren Mitschülern/-innen empfinden viele als Belastung.   
  • Viele Geflüchtete haben zumindest zeitweise eine Schule besucht oder diese sogar abgeschlossen, können aber keine entsprechenden Dokumente vorlegen. Das Gleiche gilt für die Berufsausbildung.
  • Für aussagekräftige Tests und Verfahren, die es Beratungsdiensten ermöglichen, Qualifikationen festzustellen und die Beratung darauf aufzubauen, fehlen personelle Ressourcen und finanzielle Mittel.

 

Jetzt sind Politik und Entscheidungsträger gefragt!

  • Wir brauchen flächendeckende, flexible Möglichkeiten, um Schulabschlüsse zu erwerben.
  • Wir brauchen geeignetere Tests und Verfahren, um Vorqualifikationen festzustellen.
  • Wir brauchen eine bessere personelle Ausstattung von Beratungsdiensten, die junge Flüchtlinge bei der Wahl Ihres Bildungswegs unterstützen.
  • Wir brauchen ein verpflichtendes System von individuellen, modularen Bildungsketten, die jedem geflüchteten Menschen eine passgenaue Förderung ermöglichen.

 

Es gibt bereits gute Ansätze

In den Jugendmigrationsdiensten des IB werden junge Geflüchtete dabei beraten, die richtigen Bildungswege zu wählen. Mit Hilfe von Kompetenzfeststellungsverfahren und sozialer Einzelfallberatung helfen sie jungen Flüchtlingen dabei, Entscheidungen für ihre zukünftige berufliche Laufbahn zu treffen.

 

Hier finden Sie die Positionen von Politiker/-innen und Entscheidungsträger/-innen zum Thema.