Was tun Sie dafür, dass Altenpflege einen höheren Stellenwert bekommt?

 

Pflege in einer alternden Gesellschaft – ein Thema, das uns alle angeht

Die meisten Menschen müssen sich in ihrem Leben mit dem Thema „Pflege“ auseinandersetzen – entweder, weil Angehörige etwa im Alter gepflegt werden müssen, oder natürlich auch, weil sie selbst ihren Alltag nicht mehr ohne fremde Hilfe meistern können. Gerade durch den demografischen Wandel, den Deutschland derzeit erlebt, gewinnt das Thema noch zunehmend an Brisanz. Auf gut ausgebildete Pflegekräfte, die zu einer hohen Qualität der Pflege in Deutschland beitragen und für ihre Arbeit Wertschätzung erfahren, ist unsere Gesellschaft angewiesen. Die Realität zeichnet jedoch ein anderes Bild: In Deutschland herrscht Fachkräftemangel im Bereich der Altenpflege. Der Beruf ist für viele potentielle Auszubildende unattraktiv geworden. Schlechte Bezahlung, ein körperlich sowie seelisch stark fordernder Berufsalltag und noch dazu die Aussicht auf Schichtarbeit und Überlastung – diese Aussichten schrecken ab. Studien stellen eine Erhöhung der Krankheitsdauer, der Krankheitstage und der Krankheitsschwere bei gleichzeitigem Anstieg der geleisteten Überstunden in Pflegeberufen als Folge der Überlastung fest (Quelle: Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung)[1]. Zu wenige Fachkräfte sind für die Versorgung zu vieler Menschen zuständig – das sorgt dafür, dass für den Einzelfall kaum Zeit bleibt. Somit kann den Bedürfnissen des Einzelnen nicht entsprochen werden, es entsteht Frust – sowohl bei den Pflegebedürftigen, als auch bei den Pflegekräften. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden, denn um in der Pflege Qualität gewährleisten zu können und pflegebedürftigen Menschen auf würdige Weise zu begegnen, sind motivierte Fachkräfte unabdingbar.

Attraktivität und gesellschaftliche Anerkennung des Pflegeberufs müssen gestärkt werden

Um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten, muss eine Entlastung der Pflegekräfte bei gleichzeitiger Erhöhung der Motivation stattfinden. Für beides ist Voraussetzung, dass unsere Gesellschaft den Leistungen, die im Pflegebereich erbracht werden, mehr Wertschätzung entgegenbringt. Hier sind Politik und Gesellschaft in der Pflicht: Nicht nur muss Pflege in Zeiten des demografischen Wandels ein prioritäres Themenfeld der Politik sein – es muss vor allen Dingen darauf hingearbeitet werden, dieses wieder positiver zu besetzen. Pflege kann und darf kein Thema sein, das in unserer leistungsorientierten Gesellschaft aus dem Blickfeld gerät.

Die Wertschätzung muss auch durch eine angemessene Bezahlung erfolgen: Ein Berufsfeld, das sich dem Wohl der Menschen in einer alternden Gesellschaft widmet, darf nicht unterbezahlt sein. Finanzielle Anreize müssen geschaffen werden, um die Leistungen, die mit einer qualitativ guten Pflege einhergehen, zu honorieren. Der IB fordert daher, die Gesellschaft mehr in die Pflicht zu nehmen, um Finanzierungsmöglichkeiten für einen besseren Verdienst zu schaffen. Aktuell werden vorrangig die Pflegebedürftigen selbst finanziell belastet. Doch diese sind ohnehin schon häufig von Altersarmut betroffen und auf Sozialhilfe angewiesen.

Gleichzeitig ist es essentiell, einheitlich zu regeln, wie viele pflegebedürftige Menschen von einer Pflegekraft betreut werden können. Aktuell ist das Ländersache. Die dadurch entstehenden ungleichen Personalschlüssel haben zur Folge, dass aus Bundesländern mit schlechteren Arbeitsbedingungen Pflegekräfte in Bundesländer mit besseren Arbeitsbedingungen abwandern – und sich somit der Pflegenotstand lokal noch zusätzlich verschärft. Eine schnelle Lösung ist dringend notwendig, um die Qualität der Pflege mindestens auf dem bestehenden Niveau halten und auf Dauer noch verbessern zu können.

Prävention stärken – die Gesellschaft entlasten

Der demografische Wandel hat Deutschland nicht plötzlich überrascht – er war lange absehbar und wird sich zukünftig noch verschärfen. Um die Altenpflege und damit auch den Sozialstaat zu entlasten, hätten mehr Maßnahmen getroffen werden müssen, die bereits präventiv greifen und dazu führen, dass die Menschen in unserer Gesellschaft möglichst lange fit und selbstständig bleiben. Hier wurde Vieles versäumt – ein Grund mehr, jetzt zu handeln: Es gilt, Angebote zu schaffen und neue Ideen zu entwickeln, die sowohl die körperliche als auch geistige Gesundheit älterer Menschen stärker fördern, zum Beispiel neuartige Wohnkonzepte und Anreize zur Freizeitgestaltung. Um wirklich greifen zu können, müssen Maßnahmen auf die Lebenssituationen vor Ort abgestimmt sein und auf die akuten Wünsche und Bedürfnisse der Menschen angepasst werden können. Nur so wird gewährleistet, dass Angebote auch auf Zustimmung stoßen und angenommen werden.

Die Fakten auf einen Blick

  • Deutschland befindet sich mitten im demografischen Wandel. In der alternden Gesellschaft wächst der Bedarf nach qualitativ hochwertiger, bezahlbarer Pflege, die sich an den Bedürfnissen des Einzelnen orientiert.
  • In Deutschland herrscht Pflegenotstand: über 17 000 Stellen sind derzeit nicht besetzt.
  • Pflegekräfte sowie Pflegebedürftige leiden gleichermaßen unter der Überlastung –  die Qualität der Pflege zu halten, wird zunehmend schwieriger.
  • Um Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern, muss die gesellschaftliche Anerkennung für das Berufsbild gestärkt werden eine angemessene Entlohnung gewährleistet sein; die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden.
  • Die Finanzierung der Pflege muss mehr auf den Schultern der Gesamtgesellschaft verteilt werden und darf nicht nur auf den Pflegebedürftigen lasten.
  • Es müssen vermehrt Maßnahmen ergriffen werden, die bereits präventiv wirken und damit die Gesellschaft entlasten.

Wir fordern die Politik auf, zu handeln

Die Aktuelle Situation der Pflege erfordert dringend politisches Handeln. Jetzt ist nicht die Zeit für bloße Symbolpolitik. Um menschenwürdiges Leben auch im Alter sicherstellen zu können, müssen jetzt tragfähige Maßnahmen eingeleitet werden. Altenpfleger/-innen brauchen mehr Wertschätzung und Anerkennung sowie flächendeckend bessere Arbeitsbedingungen – was tun Sie dafür?

 

Hier geht es zu den Antworten der Politikerinnen und Politiker...

 

 


[1] Der vollständige Studienbericht wird voraussichtlich im April auf den Seiten des Instituts veröffentlicht und steht dann kostenlos allen Interessierten zur Verfügung (http://www.dip.de)